The final countdown…

Das Preparatory Committee Meeting (kurz Prep Com) dauert drei Tage und ist die letzte große Verhandlungsrunde vor der großen High Level UN Konferenz. Wenn diese startet, müssen fast alle Widersprüche bereinigt, die wichtigen Fragen beantwortet und die Mehrheit der Positionen gefällt sein. Denn wenn die Staats- und Regierungschefs am Ende eintreffen, bleibt nur mehr wenig Zeit bis das Abschlusspapier verabschiedet werden muss. Dass endlich wirksame Weichen für die Zukunft gestellt werden, deren Ausführung die Welt ein Stück nachhaltiger machen können, das ist das große Ziel der Konferenz auf das tausende Beteiligte seit langem hinarbeiten.

Umso größer ist jetzt der Druck in den „negotiations“ noch ein letztes Mal seine Meinung einzubringen, aber dennoch auf eine Einigung zu kommen und das relativ schnell. Wie kann man sich die Stimmung zwischen den großen Playern der Weltpolitik und deren Arbeitsweise nun vorstellen? Vorgestern besuchte ich meine erste Session zu dem Thema „Green Economy“. Ich war noch nie vorher bei einer internationalen Verhandlung solchen Ausmaßes dabei gewesen und konnte mir deshalb wenig darunter vorstellen. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich anfangs ziemlich enttäuscht war: Da saßen nun die VerhandlerInnen der weltweiten Delegationen an einem Tisch, bei der größten Nachhaltigkeitskonferenz, die es bis jetzt je gegeben hatte und drei großen Gruppen (USA-EU-G77) gingen den letzten Stand des Vertragstextes Paragraph für Paragraph durch und zankten um einzelne Formulierungen wie „could, should oder would“. Manchmal brachten sich auch die Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und die Republik Korea ein, Mexiko spielte eine wichtige Vermittlerrolle.

Zu Beginn gab es noch einen etwas skurrilen Aufruhr um den Leiter und Koordinator der Session, den sogenannten „Chair“ und seine MitarbeiterInnen rannten aufgeregt umher und riefen „the chair hasn’t got a chair!“ Dann beruhigte sich die Situation etwas, es wurde ernst und das „Feilschen“ um Positionen nahm seinen Lauf. Was selbst einer Außenstehenden wie mir sofort auffiel, war, dass sich die weltweiten Spannungsverhältnisse wie vorhergesagt auch in den Verhandlungen widerspiegelten. Die Vorstellungen der Gruppe der 77 (G77), die mittlerweile eine Gesamtheit von 130 Staaten, vorwiegend Entwicklungsländer, umfasst, standen oft im Gegensatz zur Europäischen Union und umgekehrt. Das mag mit geschichtlichen, kulturellen, wirtschaftlichen oder sozialen Faktoren zusammenhängen und in gewissem Rahmen durch die verschiedenen Lebensrealitäten durchaus verständlich sein. Es erschwert aber die Zusammenarbeit manchmal erheblich und macht den Einigungsprozess oft schwer, wenn nicht sogar aussichtslos. Auch die USA hatte eine gewichtige Rolle inne, die oft im Clinch mit der G77 stand und sie unterstützen immer wieder, soweit es ihre Interessen zuließen, die EU.

Ich möchte politisch gesehen nicht zu sehr ins Detail gehen und darf um die Verhandlungen nicht zu behindern, sowieso keine inhaltlichen Einzelheiten bis zum Ende der Konferenz preisgeben. Mir ist es aber wichtig ein authentisches Bild zu zeichnen, wie die Weltpolitik funktioniert und arbeitet. Ich wurde schon öfter gewarnt, dass solche Prozesse mitunter frustrierend und langsam ablaufen können, aber da ich ein recht visionärer Mensch bin, der viel verändern und bewegen möchte, war die Realität für mich im ersten Moment etwas unbefriedigend. Dass ich am Nachmittag eine kontroverse Session zu den UN Institutionen besuchte, die noch schleppender ablief, da die Beratungen teils im Stillen ablief und viel verzögerten, war für meine Laune in dem Moment nicht gerade förderlich. Zusätzlich konnte eine Nation (deren Namen hier nicht genannt werden soll) tatsächlich ihren eigenen Vorschlag nicht mehr begründen und musste noch jetzt, wo doch eigentlich höchste Eile geboten war, Rücksprache mit ihrer Delegation halten, die sich zurzeit in New York aufhielt. Mein Sitznachbar, ein Yale-Student aus dem Umweltbereich, meinte zu dieser Situation richtig treffend: „What’s the hurry, I mean, it’s not like the conference is next week!“Aufheitern konnte mich dann schließlich wieder der interne Austausch mit den Jugenddeligierten und das Eröffnungsfest, bei dem Samba-TänzerInnen in Karnevalkostümen, das internationale Publikum willkommen hießen.

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