Jagd nach Mr. X

Where is Henry???

Diese unscheinbare Frage beschäftigte uns am letzten Tag der „offiziellen“ PrepCom. Die Zeit rannte uns davon, die Stimmung wurde hektischer und plötzlich schien es als würden die österreichischen Jugenddelegierten eine Schlüsselrolle spielen, um eine Forderung durchsetzen zu können. Was wir an diesem Tag erlebten, lässt sich am besten so beschreiben: Es war hart, es war stressig und es war erfolgreich. Verwirrt? Dann lasst mich nochmal von Anfang an beginnen:

An diesem besagten Tag rief mich die Schweizer Jugenddelegierte aufgeregt an, da eine wichtige Forderung der Jugendlichen aus dem UN-Dokument gestrichen wurde. Dabei geht es um „non-formal education“, also außerschulische Bildung, die zB in Jugendorganisationen wie Pfadfindergruppen vermittelt wird.

Die Major Group for Children and Youth wollte nun alles versuchen, diese Forderung wieder in den Text des Dokuments hineinzubringen. Dazu muss man wissen, dass dies, wenn eine Passage bereits gestrichen wurde, so gut wie unmöglich ist. Die einzige Chance ist, einen neuen Paragraphen vorzuschlagen, dem allerdings ALLE Verhandlungspartner zustimmen müssen. Und die Zeit war mehr als knapp! Alle Jugendlichen waren daher aufgerufen, mitzuhelfen und Delegationen von der Aufnahme dieses Paragraphen zu überzeugen. Vor allem Jugendliche mit Delegierten-Status, wie Raphael und ich, hatten durch unseren Zugang zu den Delagationsbüros eine wichtige Rolle. Der Plan war, die Schlüsselfiguren der G77  zu finden, da die EU, Japan und Mexiko sich schon auf unsere Seite geschlagen hatten. Australien war auch noch ein Unsicherheitsfaktor. Aber wie findet man unter 130 Staaten, die wichtigsten Player? Und wie sollten wir sie am besten kontaktieren, würden sie uns überhaupt zuhören?

Wir schalteten vor allem die afrikanischen Jugendlichen ein, welche die „African Union“ von unserem Vorhaben überzeugen sollten. Als wir die Liste mit den wichtigsten Namen durchgingen, sprang mir einer ins Auge. Henry aus Ghana, Henry aus Ghana, HENRY AUS GHANA?! Den kannte ich doch! Vor ein paar Tagen hatte die österreichische Delegationsleiterin uns genau diese Person vorgestellt, einen der obersten Verhandlungspartner der G77 mit dem man wirklich reden konnte. Wir hatten also einen Anhaltspunkt, jetzt mussten wir ihn nur noch auf dem riesigen Konferenzgelände finden. Was die nächsten Stunden geschah, lässt sich am ehesten mit einer Schnitzeljagd vergleichen: Mails wurden ausgeschickt in denen die Major Group empfahl sich an die österreichischen Jugendlichen zu wenden, die Kontakt zur G77 hätten, Jugenddeligierte aller Länder schwärmten aus und versuchten die wichtigsten AnsprechpartnerInnen zu finden. Nach langem hin und her gelang es uns schließlich, Kontakt zu Henry aufzunehmen. Er verließ sogar extra seine Verhandlungs-Gruppe, um kurz mit dem Verhandler der G77 zu sprechen. Als die Verhandlungsrunde zum Thema „Education“ begann, warteten alle gespannt was passieren würde. Die Zeit verstrich und die Spannung war direkt fühlbar. Der Raum war voll mit Jugendlichen, die auf das Ergebnis warteten. Schlussendlich wurde die Entscheidung auf 23:00 Uhr vertragt, damit die Verhandlungspartner Rücksprache mit ihren Delegationen halten konnten. Wir hatten also noch ein bisschen Zeit gewonnen und nutzten diese, um aktiv Lobbying zu betreiben. Südafrika, Benin, Äthopien, Pakistan, das eine Schlüsselfigur in der Gruppe ist, Venezuela… ich weiß nicht mit wie vielen hochrangigen DiplomatInnen ich an diesem Tag gesprochen habe, aber ich legte jegliche Scheu ab, weil es einfach wichtig für uns war, dass wir gehört werden.

Schließlich um 23:00 Uhr geschah dann das Unmögliche: der Paragraph über außerschulische Bildung wurde einstimmig in das UN-Dokument aufgenommen. Es lässt sich kaum beschreiben, wie sich dieser Moment anfühlte. Wir, die Jugend-VertreterInnen hatten es geschafft, diese für uns so wichtige Forderung, die übrigens auch in der österreichischen Jugend-Deklaration verankert ist, erfolgreich durchzusetzen! Ein Beweis dafür, dass es sich auszahlt, für seine Positionen einzustehen, wie unwahrscheinlich die Situation auch scheinen mag!

Wir ließen diesen erfolgreichen Tag sambatatazend in den Straßen von Lapa, DEM Ausgehviertel von Rio de Janeiro, ausklingen.. Man munkelt, dass auch der eine oder andere Caipirinha dabeigewesen sein soll… 🙂

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